Wie eine Kastanie

 

 

           

Eine Kastanie im Herbst,
umgeben
von ihrem stacheligen Mantel.                                                            
Da heißt es warten:
Wenn es an der Zeit ist
wird dieser sich öffnen.

Ist er bis dahin Schutz
vor dem verfrühten Zugriff?
Wehrt sie sich dagegen
mit ihren Stacheln?

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

Trauern ist für mich
wie diese Kastanie.

Für eine gewisse Zeit
brauche ich diesen Schutzmantel:

Er schützt mich
vor zuviel Nähe,
vor verfrühtem Zugriff,
gut gemeint vielleicht,
aber für mich kaum zu ertragen.

Noch brauche ich diesen Mantel
des Alleinseins, der Zurückgezogenheit -
und tritt mir jemand zu nahe,
bekommt er meine Stacheln zu spüren.

Der Tag wird kommen,
wenn die Zeit reif ist,
an dem sich mein Mantel öffnet
und ich bin frei -
wie diese Kastanie.

 

 

in:
Arens/Machowiak
"Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt"
© 2015 Patmos Verlag der Schwabenverlag AG Ostfildern, S.196